Künstler Häis

Handwerkskunst

der Intarsie

Hans Werthmüller lebte vorwiegend in der Stadt Burgdorf, eine ländlich geprägte und geschichtsträchtige Stadt im Emmental. Nach der obligatorischen Schulzeit und der Lehre im väterlichen Betrieb als Schreiner zog es ihn bald in die weite Welt. In Algerien studierte er die alte Handwerkskunst der Intarsie. Eine Technik, die ihn begeisterte und von nun an nie mehr losliess. Im Laufe der Zeit nahm er immer wieder neue Herausforderungen an. Waren es am Anfang einfache Flachintarsien, entstanden mit der Zeit intarsienverzierte Stilmöbel. Viele seiner Werke fanden ihren Besitzer in seinem Freundeskreis.

Eine Beziehung ging nach Jahren auseinander, Hans blieb Junggeselle. Er spielte das Akkordeon virituos und war Teil einer Tanzkapelle.

Hans Werthmüller und sein technisch und fachlich begabter Bruder Fritz Werthmüller mit seiner Frau, Vilja Werthmüller-Sollberger, führten in 4. Generation die Schreinerei Werthmüller, am Waldeggweg 21, in Burgdorf. Wenn es ihm neben dem Schreinereibetrieb die Zeit erlaubte, war er in seiner Intarsienwerkstatt. Mit dem Eintritt und der Geschäftsübernahme durch die 5. Generation, Urs und Annelis Werthmüller-Maurer, konnte er sich voll seiner handwerklichen Berufung als Ebenist widmen. Ebenist ist die gebräuchliche Berufsbezeichnung für einen Kunstschreiner. Der Begriff kommt aus dem Französischen «ébène» und ist der Begriff für Ebenholz, ein sehr wertvolles, tiefschwarzes, afrikanisches Holz.  Man spricht von Intarsien-, aber auch von Marketeriearbeiten. Bei Intarsienarbeiten werden Materialien wie Holz, Metall, Perlmut, Schildpatt etc. in einer Holzfläche ausgestochen und eingesetzt. Bei einer Marketerie werden verschiedene gleich dicke Hölzer zusammengesetzt und auf der Sichtseite mit Klebstreifen zusammen verbunden. Diese Marketerien werden dann auf eine Holzmittellage aufgeleimt.

Hans oder auch Häis wie er im Volksmund genannt wird, baute seine Möbel im Stil von Rokoko, Louis XVI und Louis Philippe. Am Anfang (1933 – 1940) seiner Kunstschreinerkarriere erstellte er Furnierbilder. Dazwischen seine Stilmöbel und am Ende seines Lebens (1980 – 1986) wiederum Furnierbilder, die sich jedoch stark von den frühen Werken unterscheiden.

Höhepunkt seiner Ebinesterie waren die Kommoden im Stil von Rokoko, Louis XVI, Directoire und Louis Philippe, angelehnt an die Arbeiten der Kunstschreiner Funk, Hopfengärtner und Aebersold aus Bern. Über die ganze Zeit seines Wirkens begleitete ihn die Rokoko-Pendule in der Façon der Sumiswalder Pendule.

Häis lebte seine Kunst im Stillen aus. Nur sein enger Freundeskreis wusste um sein Talent. Erst 1984 wurde die Stadt Burgdorf auf sein Kunstschaffen aufmerksam und verlieh im einen Anerkennungspreis für Kulturschaffende.